Kontaktrecht

Der persönliche Kontakt zwischen dem nicht hauptsächlich betreuenden Elternteil und dem Kind dient dem Aufbau einer stabilen Eltern-Kind-Beziehung und ist Grundlage einer möglichen positiven und sicheren Bindung des Kindes an seinen getrennt lebenden Elternteil.

Beim Kontaktrecht handelt es sich also um das Recht auf regelmäßigen persönlichen Kontakt des Kindes zu jenem Elternteil, der mit dem minderjährigen Kind nicht im gemeinsamen Haushalt lebt. Das Recht auf persönlichen Kontakt ist primär ein Recht des Kindes und eine Verpflichtung der Eltern und ein Grundrecht der Eltern-Kind-Beziehung.

Basis für das Kontaktrecht bildet das „Wohlverhaltensgebot„, welches als Unterlassungsgebot zu verstehen ist. Beleidigende Äußerungen, Aufhetzung des Kindes gegen den anderen Elternteil haben zu unterbleiben. Sollte die oder der Kontaktberechtigte der Wohlverhaltensklausel nicht nachkommen, kann eine Einschränkung oder der Entzug des Kontaktrechts (für eine bestimmte Zeit) die Folge sein. Maßstab ist immer das Kindeswohl. Das Wohlverhaltensgebot gilt aber auch für den hauptsächlich betreuenden Elternteil. Dieser ist aufgefordert, die Aufrechterhaltung des Kontaktes zwischen Kind und nicht betreuenden Elternteil zu fördern und nicht negativ zu beeinflussen. (Grobe) Zuwiderhandlungen können die Einschränkung oder Entziehung der Obsorge zur Folge haben.

Kontaktregelungen können zwischen den Eltern grundsätzlich auch außergerichtlich, d.h. unabhängig von einer Behörde oder dem Gericht, vereinbart werden. Mangelnde Kommunikationsbasis und Gesprächsbereitschaft erfordern jedoch oftmals eine schriftliche Vereinbarung beim Jugendamt oder beim Gericht. Dazu kann beim zuständigen Pflegschaftsgericht (Bezirksgericht, wo das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat) ein Antrag auf Kontaktrechtsregelung eingebracht werden.

Kontaktregelungen sind nicht unwiderruflich – die Gefährdung des Kindeswohls kann eine Veränderung notwendig machen.

Die konkrete Festlegung des Kontaktrechts und der Ausübung des persönlichen Kontakts hat sich immer einzelfallbezogen am Kindeswohl zu orientieren. Als Kriterien für  Kontaktrechtsempfehlungen ist auf das Alter der Kinder und vor allem auf die bestehende Beziehungsqualität zu beiden Elternteilen Rücksicht zu nehmen. Weitere Kriterien sind auch die beruflichen Möglichkeiten der Eltern und die räumliche Distanz zwischen den Wohnorten der Eltern.

Als grobe Richtlinien für Kontaktsrechtsempfehlungen gelten nach der aktuellen Rechtsprechung:

Kleinkinder bis zu zwei/drei Jahren:
Es empfiehlt sich, den Kontakt zum nicht mit dem Kind zusammenlebenden Elternteil häufiger, d.h. in kürzeren Abständen, dafür aber zeitlich kürzer zu gestalten: z.B. zumindest zweimal pro Woche für jeweils ca. 2-3 Stunden. Längere Kontakte (z.B. wenn nur 1x pro Woche) sind auch möglich. Übernachtungen können je nach bestehender Bindung zum getrennt lebenden Elternteil bereits gestaltet oder stufenweise aufgebaut werden.

Kinder ab drei Jahren:
Je älter die Kinder sind bzw. werden, desto größer können grundsätzlich die zeitlichen Abstände zwischen den Kontaktzeiten werden. Grundsätzlich ist aber zu empfehlen, dass zusätzlich zu einem 14tägigen Wochenendkontaktrecht ein weiterer Tag während der Woche – zumindest in jenen Wochen, an denen kein Kontaktwochenende stattfindet – dazukommt, damit eine größere Einbindung des nicht hauptsächlich betreuenden Elternteils in den Alltag des Kindes erfolgt.

Kinder über sechs Jahre:
Häufig wird bei Schulkindern ein 14tägiges Kontaktwochenende (meist Freitag nachmittag bis Sonntag abend), d.h. mit Übernachtung beim nicht hauptsächlich betreuenden Elternteil, festgelegt. Aber auch hier sollte auf jeden Fall noch zumindest ein Tag unter der Woche, zumindest in der Woche ohne Wochenendkontakt, stattfinden.

In allen Fällen ist auch das Kontaktrecht für Ferienzeiten und Feiertage bzw. dem Geburtstag des Kindes zu regeln.

Seit Inkrafttreten des KindNamRÄG 2013 ist im Gesetz auch vorgesehen, dass beide Elternteile (hauptsächlich betreuender Elternteil und kontaktberechtigter Elternteil) die Möglichkeit haben sollen, Alltag mit dem Kind zu verbringen. Das Kontaktrecht soll dementsprechend sowohl Zeiten der Freizeit (Wochenende) als auch die Betreuung im Alltag des Kindes umfassen (Mittagsschlaf, wochentags zum Kindergarten und später zur Schule bringen, Hausaufgaben erledigen). Dadurch soll der kontaktberechtigte Elternteil mehr in die elterliche Verantwortung und Erziehung eingebunden werden. Entsprechende Regelungen können dadurch auch zur Entlastung des betreuenden Elternteiles beitragen.

Auch zwischen Enkeln und Großeltern besteht ein Recht auf persönlichen Verkehr, wenn dadurch das  Familienleben der Eltern/Elternteile und deren Beziehung zum Kind nicht gestört werden. Dritte (wichtige Bezugspersonen), wie z. B. Halbgeschwister oder Ex-LebensgefährtInnen der Eltern, haben ebenfalls ein Recht auf persönlichen Kontakt, wenn eine emotionale Bindung zum Kind gegeben ist und das Wohl des Kindes durch diese Kontakte gefördert wird.

!! Seit dem neuen KindNamRÄG kann das Recht des Kindes auf persönlichen Kontakt auch gegen einen kontaktunwilligen Elternteil durchgesetzt werden, sofern dies dem Kindeswohl entspricht!

!! Leistet die/der Unterhaltsverpflichtete die Alimentationszahlungen (Kindesunterhalt) nicht, so verliert sie/er grundsätzlich sein Kontaktrecht zum Kind nicht. Allerdings wird künftig die regelmäßige Zahlung des Kindesunterhalts als Entscheidungskriterium in der Obsorge mitherangezogen.

Für weitere Informationen und Auskünfte im Einzelfall stehen Ihnen unsere Beraterinnen gerne zur Verfügung!