Körperliche/psychische und sexualisierte Gewalt

Unter Gewalt gegen Frauen sind alle Handlungen gemeint, die Frauen körperlich, sexuell oder psychisch Schaden zufügen.

Die häufigsten Formen von Gewalt:

Körperliche Gewalt wie schlagen, stoßen, boxen, zwicken, an den Haaren ziehen, verbrennen, würgen, mit Gegenständen prügeln…

Psychische Gewalt durch

  • Angst machen mit Drohungen wie “Ich bringe dich um, wenn du mich verlässt”, “Ich bringe die ganze Familie um”, “Ich nehme dir die Kinder weg”.
  • Belästigung mit ständigen Anrufen, Drohbriefen oder Verfolgungen.
  • Isolation, eine häufige Strategie, um die Frau zu kontrollieren, Macht auszuüben und sie in Abhängigkeit zu drängen. Dazu zählt Kontaktverbot mit der Familie und Freunden, zu Hause einsperren, Verbot das Auto zu benützen, Telefon wegnehmen, das Ausüben einer Berufstätigkeit verbieten, etc.
  • Wiederholte Beschimpfungen, Demütigungen und Abwertungen. Ein Lächerlich machen in der Öffentlichkeit oder beleidigende Äußerungen über ihr Aussehen oder Charakter kann das Selbstwertgefühl der Frau zerstören.
  • Schweigen und Nichtbeachtung der Frau.

Sexualisierte Gewalt umfasst alle sexuellen Äußerungen und Aktivitäten, die einer Person aufgedrängt oder aufgezwungen werden und durch die sie sich in ihrer Würde verletzt sieht. Diese reichen

  • von sexueller Belästigung, sprich unerwünschter Berührungen, aufgedrängte Küsse, obszöne Bemerkungen oder erzwungenes Ansehen von Pornographie,
  • über sexuelle Nötigung, Vergewaltigung,
  • sexuellem Missbrauch in der Kindheit,
  • Zwangsprostitution,
  • bis zur Genitalverstümmelung u.a.

Bei jedem Übergriff setzt sich der Täter über den Willen des Opfers hinweg. Sexualisierte Gewalt ist ein Machtmissbrauch und verletzt die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung. Außerdem stellt jeder Übergriff eine Herabwürdigung und Erniedrigung der betroffenen Frau dar.

In der Partnerschaft wird auch oft sexueller Druck ausgeübt und Frauen willigen in sexuelle Handlungen ein, um Konflikte oder Gewalt zu vermeiden („Ich lasse es über mich ergehen …“). In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass Vergewaltigung in der Ehe (leider) häufig stattfindet und verboten ist – es gibt kein Recht des Mannes mit der Frau ohne deren Einwilligung zu schlafen!!

Die Auswirkungen von Gewalt?

Die gesundheitlichen Folgen von Gewalt sind vielfältig und können kurz-, mittel- und langfristig auftreten. Bis zu einem Drittel der Gewaltopfer weisen traumatische Symptome auf. Ein Trauma entsteht durch ein stark belastendes Erlebnis. Traumatisierte Menschen fühlen sich häufig dem Tod näher als dem Leben. Ihr Selbst- und Weltverständnis ist durch das Erlebte zutiefst erschüttert worden.
Psychische und psychosomatische Auswirkungen von Gewalt zeigen sich beispielsweise durch:

  • Albträume
  • wiederkehrende Bilder und Gedanken, die das Opfer die Situation immer wieder erleben lassen (sogenannte Flashbacks)
  • Meidung von Gedanken, Gefühlen, Gesprächen, Orten oder Personen, die an das
    Geschehnis erinnern, um das Wiedererleben der Situation zu unterdrücken
    (Vermeidungsverhalten)
  • Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit, Angst, Depressionen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Minderung der Kontaktfähigkeit, allgemeines Rückzugsverhalten bis hin zur sozialen Isolation
  • posttraumatische Belastungsstörungen
  • Angst- und Panikattacken
  • Depressionen
  • Schmerzsyndrome
  • Essstörungen

Gewalterfahrungen können auch zu Alkohol-, Medikamenten- und Drogenmissbrauch bzw. –abhängigkeit führen.

Was können Sie nach einer Gewalterfahrung machen?

  • Das Schweigen brechen.
  • Ein psychosoziales und rechtliches Beratungsgespräch vereinbaren.
  • In konkreten Bedrohungssituationen die Polizei verständigen. (133)
  • Bei Verletzungen ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
  • Sich Unterstützung im sozialen Umfeld oder in spezialisierten Einrichtungen suchen und im Akutfall das gewalttätige Umfeld verlassen (Familie, Freunde, Frauenhaus o.ä.) um sich und ev. die Kinder zu schützen.
  • Wichtige Dokumente sicher aufbewahren (ev. bei einer Freundin) für den Falle der
    „Flucht“ aus der gemeinsamen Wohnung.
  • Eventuell rechtliche Schritte unternehmen.

Was können wir anbieten?

  • Verschwiegenheit
  • Information über Schutzmöglichkeiten
  • Information über den Umgang mit Reaktionen und Gefühlen (Schuld, Angst, Ohnmacht, Scham, Wut, Herzrasen, schwitzen, Essstörungen, Alpträume, Schlafstörungen …)
  • Erarbeitung der inneren und äußeren Stabilität und Sicherheit
  • Möglichkeit über das Geschehene zu sprechen.
  • Wiedererlangen der Kontrolle über Gedanken, Gefühle und Grenzen
  • Vermittlung von fundiertem Wissen über Gewalt und ihre Auswirkungen
  • Erschließung von Ressourcen, Stärken, Fähigkeiten und Bewältigungsstrategien
  • Stärkung der Selbstbestimmung und Selbstverantwortung
  • Information und Beratung für weibliche Angehörige und Unterstützerinnen
  • Entscheidungshilfen für oder gegen eine Anzeige
  • Psychosoziale Prozessbegleitung: Stärkung und Stabilisierung während und nach dem gesamten Strafprozess
  • Informationen über Therapieangebote