von Frauen für Frauen

Leitbild

Frauenrechte sind Menschenrechte
 
Das autonome Frauenzentrum wurde im Jänner 1980 von einer Gruppe politisch und sozial aktiver Frauen gegründet, die sich entschlossen für die Rechte der Frauen einsetzten und Räume für Frauen forderten. In dieser Tradition bewegen wir uns noch heute.
 
Frauen & Raum
  • In "A Room of One's Own ("Ein Zimmer für mich allein") beschreibt die englische Schriftstellerin Virginia Woolf 1929 als eine der Ersten, was ihr als schöpferische Frau fehlte: Zurückgezogenheit und Raum. Sie hatte es am eigenen Leib erfahren, dass die Möglichkeit des Rückzugs in eigene Räume Bedingung ist für "Urbanität, Genialität und Würde".
  • Heute wissen wir, dass Raum haben und über Raum verfügen vor allem Macht bedeutet. Macht beanspruchen wir jedoch nicht im Sinne der patriarchalen Macht, die Macht der Macher, die gewalttätig Andere sich verfügbar machen. Macht sehen wir im Sinne Hannah Arendts (1958) als Ergebnis der wahren, sympathischen (!) Wortbedeutung von "Macht" hergeleitet von "mögen" - einem Beziehungsgewebe (all dessen, was uns wert ist) und auf Grund von "vermögen" - dem Bezugsgewebe (all dessen, was wir erkennen).
  • Schon die Bedeutung des Wortes "Raum" in unserer Sprache ist seiner Herkunft nach gleich bedeutend mit "frei". "Raum" ist aber nicht nur auf ein "freies Feld" beschränkt, sondern hat sich auf jede Stätte übertragen, die Gelegenheit zur Entfaltung einer Tätigkeit für einen Zweck bietet. An einem Ort kann es also eine Stätte geben, die Handlungsspielräume und einen Freiraum gewährt. Eine solche Stätte ist unser autonomes FRAUEN zentrum.
  • Der Ausschluss von Einfluss in der Öffentlichkeit und der Ausschluss von Selbstbestimmung (über den eigenen Körper) ist die strukturelle Gewalt des Patriarchats, der auch nach einem "Jahr der Chancengleichheit" den Frauen zu schaffen macht. So beanspruchen Frauen nach wie vor ihre (Identifikations-)Räume, um sich abzuheben von allen Zuschreibungen an ihr Geschlecht, um da auch einmal bei sich und unter Ihresgleichen sein zu können.
  • Etwas anfangen, handeln, reden, überzeugen- das und nicht mehr sind die Mittel unseres gemeinsamen Bemühens um Zugänge, um Initiativen. Immer geht es dabei um raumgreifende Begriffe wie Überschreitung, Expansion und Ausweitung, Transport und Transfer, (Bedeutungs-) Verschiebung, Invasion (eigen sein), Dissens (nicht einverstanden sein) und Divertimento (in etwa: sich tummeln und sich gelüsten lassen).
  • Der Anspruch auf Öffentlichkeit unserer Einrichtung ist dabei unverzichtbar, weil im privaten Raum unser Engagement für eine individuelle UND kollektive Förderung der Frauen im Sinne Virginia Woolfs - für Urbanität, für Genialität und für Würde - keinen Sinn macht.
Wir setzen uns für Frauen ein, weil Frauen unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen nach wie vor der besonderen Förderung bedürfen: weil sie nachweislich Gefahr laufen, durch Männergewalt und patriarchale Strukturen Schaden zu nehmen.
 
Wir sind offen für alle Frauen, unabhängig von ihrem sozialen Status, Alter, sexueller Orientierung, Religion, ethnischer oder politischer Zugehörigkeit und ökononischer Lage.
 
"Frau wird nicht als Frau geboren, sondern zur Frau gemacht"
  Simone de Beauvoir
 
Zielgruppe:
Frauen, die an den Folgen von sexueller oder sexualisierter Gewalt leiden
Frauen, die in Scheidung leben, sich zur Scheidung entschließen und dabei Unterstützung brauchen.
Frauen, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden.
Frauen, die Kontakt, Unterhaltung und kritische Auseinandersetzung in frauenrelevanten Themen wünschen.
Frauen und Mädchen mit Interesse an feministischer Selbstverteidigung.
Wer sich als Frau versteht und ihr Verständnis vertiefen will.
 
... eine frau ist eine freie frau, wenn sie über eigenen raum verfügt..."
 
Aufgaben des autonomen Frauenzentrums:
  • Juristische Beratung, und wenn erforderlich Behörden- und Gerichtsbegleitung
  • Psychosoziale Beratung
  • Beratung für Lesben
  • Prävention: Selbstverteidigung, Fortbildung von Multiplikatorinnen
  • Platz für Kommunikation - Treffpunkt zum Austausch, regelmäßige Diskussionen zu von Frauen selbstgewählten Themen
  • Entwicklung von Widerstandskonzepten gegen patriarchale und undemokratische Politiker
  • Stellungnahme zu aktuellen frauenrelevanten Themen
  • Freiraum und Rahmen für frauenbezogene Kultur: z.B. Lesungen, Feste, Ausstellungen, Möglichkeit auf Leistungen von Frauen hinzuweisen
  • Gut sortierte Bibliothek und Videothek mit Literatur/Biographien, von und für Frauen und Lesben. Dokumentationen, die zu Schulungen/Fortbildungen eingesetzt werden können- Feministische Zeitschriften
  • Die Möglichkeit, dass andere Vereine sich präsentieren (Folder, Broschüren, sowie Veranstaltungen...)
"... der raum ist die freiheit, die wir uns genommen haben..."
 
Vernetzung:
Förderung von Frauennetzwerken, weib -weibliche Bindungen und Zusammenhalt
Zusammenarbeit mit anderen und ähnlich arbeitenden Vereinen, um eine optimale, den Problemen der Frauen entsprechende umfassende Betreuung zu gewährleisten, aber auch, um die Arbeit zu optimieren und Doppelgleisikeiten zu vermeiden. Im Austausch können gemeinsam Strategien entwickelt werden.
 
"... Feminismus ist der revolutionäre Gedanke, dass Frauen auch Menschen sind..."
 
Arbeitsweise:
  • Beratung eingebettet in frauen-politische Aktivität
  • Feministischer, frauenspezifischer Ansatz
  • Orientierung und Unterstützung der individuellen Emanzipation
  • Professionalität und Kompetenz der Mitarbeiterinnen: Qualifikation, Weiterbildung und laufende Reflexion in Form von Team- und Einzelsupervision sind ein wesentlicher Bestandteil der Arbeitsweise.
  • Parteilichkeit: Wir sind parteilich zugunsten von Frauen.
  • Wir sind eine non-profit Organisation, die Beratungen sind für die Frauen kostenfrei.

Jede Frau, die sich an uns wendet, bekommt Unterstützung und sei es nur eine Adresse, wo sie sich weiterinformieren kann.