Politisches Café nach
einer Idee von und mit Elisabeth Rosenmayr am 15.11.04, aus der
Erinnerung aufgeschrieben von Brigitte Menne
Eine affäre? Ja, aber anständig!
Überlegungen, weshalb eine Affäre willkommen
sein kann und wie sie in die Tat umgesetzt werden könnte,
sodass alle Beteiligten möglichst davon Gewinn ziehen und
keinen Schaden nehmen.
"Anständige" Voraussetzungen zur Affäre wären
zwischenmenschliche Rahmenbedingen, damit die Affäre "anständig",
das heißt auch im zweiten Wortsinn von (österr.) "ohnständig",
nämlich "ohne Abstriche und "gscheit" - passieren kann. Ohne
sich alles anständig auszumachen kann die Affäre nämlich
nicht anständig vonstatten gehen. Dass eine Affäre aber
anständig über die innere und äußere Bühne
geht müsste Gewähr bieten, dass an der Affäre direkt
oder indirekt Beteiligte nicht heruntergemacht oder gedemütigt
werden.
Landläufig heißt es in der Partnerschaft: "Du darfst
nicht fremdgehen." Deshalb müsste die Ausnahme (von der Regel)
schon zuvor in der Partnerschaft ausgesprochen sein: "Ich habe
nicht vor, dir (sexuell) treu zu sein." Es müssen also zuvor
Grundsätze in der Partnerschaft ausgesprochen sein wie "Niemals
in der eigenen Wohnung!" etc. Der Mythos der Partnerschaft, sich
in den Grundsätzen treu zu sein, wäre so nicht in Frage
gestellt.
Was ist eine Affäre? Eine leidenschaftiche Ausnüchterung.
Ein zeitlich begrenzter Side-step, ein Seitensprung unter sexuellen
Vorzeichen. Eine runde Klammer innerhalb der eigenen Beziehungsgeschichte.
Etwas Längeres und Ausgiebigeres als ein One-night-stand.
Wichtig: Leidenschaft verträgt keine Geschichte! Die Beziehungsgeschichte
hat in der Affäre keinen Platz. Ebenso wenig wie die Erzählung
der Affäre in der Beziehung. Auch später wird eine gelungene
Affäre nur als gemeinsames Geheimnis im Talon einer guten
Bekanntschaft oder Freundschaft aufgehoben: Eine Affäre gehört
ganz allein mir, und ist deshalb ausgeklammert von der Erzählung.
Warum überhaupt eine Affäre? Weil es Gang und Gäbe
und darüber hinaus ersprießlich ist, mit verschiedenen
Menschen verschiedene Themen zu leben und verschiedene Auseinandersetzungen
zu führen. Eine sexuell abgekühlte, aber emotional sonst
bewährte Beziehung kann durch eine Affäre wieder entflammt
oder jedenfalls geklärt werden. Die Affäre ist auch
für Singles durchaus erstrebenswert, weil sie die Lebensgeister
und die Neugier für Menschen weckt. Nun denn!
Innerhalb der Affäre wäre zu vereinbaren, was wir
wollen und was wir nicht wollen: Regeln also. Es wären auch
Konsequenzen zu klären, wenn diese Regeln nicht eingehalten
werden. Erfahrungsgemäß kommt es bei (Gefahr von) Regelbruch
nicht zur Affäre: Sie wird vorher oder vor ihrem Ende abgebrochen.
Damit, dass die Affäre ihre Regeln kennt, ist sie selbstbewusst
und hoch bewertet, weil die Beteiligten durch ihre Vereinbarungen
mitgehangen und mitgefangen sind. Überlegungen und Vereinbarungen
also in Momenten der Klarheit treffen, wenn frau sich selbst gut
einschätzen kann. Und nicht, wenn gerade von Hormonen überschüttet.
Diskretion ist Teil der Liebe. Sie ist der wichtigste Teil der
Vereinbarungen: Diskretion gegenüber der Beziehungspartnerin
einerseits und der Affäre andererseits sind unbedingte Voraussetzung.
Wie ist es möglich, mit der Affäre über den side-step
hinweg einen alltäglichen Umgang zu pflegen? Dadurch, dass
ich die Affäre beiläufig als FreundIn in den Bekanntenkreis
einführe.
Loyalität: Anlügen der Beziehungspartnerin, des Beziehungspartners
oder der Affäre ist (selten) erlaubt: auf eine eindeutige
Frage müsste Farbe bekannt werden. Mit "Ich bin die Affäre!"
oder: "Sie ist meine Affäre!" möchte ich z.B. meine
Affäre nicht outen. Es braucht also Souveränität
und Feinfühligkeit im Umgang mit Tatsachen: "Was sie/ er
nicht weiß, macht nicht heiß". Es kann aber eine Affäre
so deppert angelegt werden, dass die Partnerin, der Partner, auf
den Plan gerufen wird. Damit ist die Affäre Sense …
Let´s affaire statt laissez faire!