von Frauen für Frauen

 


Die DISKUTEK am 1. September 2008:

Frauen erzählen aus ihrem Leben



Dieses Mal zu Gast im aFz:
Leodoldine Feichtinger - eine lebenslustige, mutige - heute 87-jährige Frau



Leopoldine Feichtinger versteht es mitreißend und anregend zu erzählen. Nicht nur bei ihrem offiziellen "Auftritt" ist es spannend und interessant ihren Geschichten zu lauschen - auch danach in gemütlicher Runde beantwortet sie Fragen und erzählt aus ihrem Leben - dem Leben einer engagierten Arbeiterin und Sozialdemokratin.

Es folgt ein Auszug aus der Buchbesprechung von Christian Pichler :

Eine große "kleine" Frau
Walter Kohl: "Die Poldi. Das Leben einer Linzer Arbeiterin" Edition Geschichte der Heimat, erschienen im Buchverlag Franz Steinmaßl, 2006

"Ein turbulentes Leben? Nach gegenwärtigen Event-Maßstäben wohl kaum. Leopoldine Feichtinger zeichnete sich vor allem durch Zähigkeit aus. 1920 in Linz geboren, zählte sie in ihren jungen Jahren in der Schule stets zu den Besten. Doch mit 13 Jahren musste sie die Schule abbrechen und froh sein, schließlich als Dienstmädchen unterzukommen. Der Vater, ein Zimmermann, hatte gerade genug Geld, dem Bruder die schulische Weiterbildung zu finanzieren. Leopoldine Feichtinger resümiert heute ohne Groll, dass damals ein Mädchen selbstverständlich zurückstecken musste. Das war ganz einfach so.

Leopoldine Feichtinger hat sich nicht verbiegen lassen, schon gar nicht brechen. Sie hätte, als auch in Linz die Nazis herrschten, nur der NSDAP beitreten müssen und hätte vermutlich rasch einen - für ihre Verhältnisse - Traumjob im Büro erhalten. Doch dieser Gedanke lag ihr, in einem sozialdemokratischen Milieu, im Stadtteil Dornach aufgewachsen, fern. (Soviel kurz dazu, dass viele in der NS-Zeit nur ihre "Pflicht" getan haben wollen.)

Es dauert Jahrzehnte, bis Leopoldine Feichtinger einen größeren Sprung auf der Karriereleiter macht. Sie arbeitet in den Linzer Austria Tabakwerken, schafft es zur Betriebsrätin. Sie hilft in dieser Funktion, wo sie nur kann. Reibt sich auf bis zu Erschöpfung und Suizidgedanken. Dem damaligen sozialistischen Finanzminister Androsch ringt sie persönlich das Versprechen ab, dass die Arbeiterinnen in den Tabakwerken gleich hohe Gratis-Rationen an Zigaretten erhalten wie die Arbeiter.

Für viele Menschen in Linz ist Leopoldine Feichtinger schlicht die "Poldi". Noch nach ihrer Pensionierung 1975 besucht sie bis ins hohe Alter hilfsbedürftige Menschen. Eine Art heilige Närrin der österreichischen Sozialdemokratie? Mitnichten. Wenn sie von ihrem mittlerweile verstorbenen Mann erzählt, wählt sie harte und gerechte Worte: Ein Geizkragen sei er gewesen und ein Faulpelz obendrein. Doch für eine junge Frau war es zur Zeit ihrer Heirat fast undenkbar und oft auch unmöglich gewesen, sich alleine durchzuschlagen.

Autor Walter Kohl hat einige Wochen mit Leopoldine Feichtinger gesprochen, die Gespräche auf Tonband aufgenommen und zur Biographie "Die Poldi. Das Leben einer Linzer Arbeiterin" zusammengefasst und einfühlsam kommentiert. Der/die LeserIn spürt die Freude, die Kohl an dieser Arbeit gehabt haben muss. Nach mehreren Büchern zur NS-Zeit genießt Kohl offensichtlich die Begegnung mit dieser lebenslustigen, tapferen Frau."


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